Zunehmend werden im professionellen Gemüsebau F1-Hybrid-Sorten genutzt. So handelt es sich zum Beispiel beim Sortenangebot für Kohl (Kopfkohl, Blumenkohl, Rosenkohl,…) vorwiegend um F1-Hybriden. Auch in Hausgärten finden diese Sorten Einzug. Doch wie entsteht eigentlich F1-Hybrid-Saatgut?

F1 steht für Filial 1, also die erste Tochtergeneration einer Kreuzung zweier Eltern, die sich genetisch unterscheiden. Solche Kreuzungen zwischen unterschiedlichen Pflanzen kommen in der Natur ständig vor:

Bei Fremdbefruchtern wie dem Kohl, dem Mais oder der Feuerbohne sind sie die Regel, aber auch bei vorwiegenden Selbstbefruchtern wie der Tomate, der Busch- oder Stangenbohne und dem Salat kommen Verkreuzungen zwischen zwei Sorten regelmäßig vor.

Seit den 1930er Jahren nutzt man die F1-Generation gezielt als Endprodukt der Pflanzenzüchtung, angefangen beim Mais.  Ähnlich Mischlingshunden, die für ihre hervorragende Gesundheit bekannt sind, sind die Tochterpflanzen aus einer Kreuzung genetisch unterschiedlicher Elternlinien nämlich äußerst leistungsstark. Achtet man darauf, dass die beiden Elternlinien durch strenge Inzucht absolut rein gehalten werden, haben die Tochterpflanzen untereinander auch einheitliche Eigenschaften in Sachen Form, Farbe, Abreife und Ertrag. Diese Einheitlichkeit ist bei mechanisiertem Gemüsebau und langen Handelswegen nützlich.

Um F1-Hybrid-Saatgut zu erzeugen, muss also eine gezielte Kreuzung erzwungen werden. Dies ist von Hand möglich und wird zum Beispiel bei der Produktion von Tomatenhybriden unter hohem Arbeitsaufwand praktiziert. Effizienter und sicherer ist es aber, bei den Mutterpflanzen (den Samenträgern) eine Selbstbefruchtung durch systematische Entfernung der Antheren (also der männlichen, pollentragenden Blütenteile) auszuschließen. Beim Mais ist dies mechanisch sehr einfach möglich: Die männlichen Blüten wachsen als Fahne oberhalb der Pflanze und die weiblichen in der Blattachse; man durch Köpfen der Mutterpflanzen ihre Kastration erreichen. Komplizierter sieht es zum Beispiel bei Kohlarten oder Chicorée aus. Hier befinden sich die Antheren in der gleichen Blüte wie die weiblichen Blütenorgane und müssten manuell mit der Pinzette herausgezupft werden – ein Aufwand, der sich auch bei erhöhten Preisen für Hybrid-Saatgut nicht lohnt.

Durch die cytoplasmatische männliche Sterilität (CMS), die bei einigen Arten wie der Möhre, der Zwiebel und dem Radies natürlich vorkommen, kann dieser Arbeitsaufwand erspart werden. Pflanzen mit dieser Eigenschaft produzieren von sich aus keinen fruchtbaren Pollen und können nur von fremdem Pollen befruchtet werden. Bei Arten, die diese Eigenschaft aufweisen, kann man die CMS ohne große Hindernisse für die Züchtung von F1-Hybrid-Sorten genutzt werden. Beim Kohl zum Beispiel wurde dagegen keine natürliche CMS gefunden. Deswegen bedient sich die Pflanzenzüchtung in diesem Fall der Protoplastenfusion. Dabei werden Rettichzellen und Kohlzellen miteinander verschmolzen, um die CMS des Rettichs in den Kohl einzuführen. In der EU werden Sorten, die unter Einsatz von Protoplastenfusion entstanden sind, nicht als genetisch veränderte Organismen (GVO) eingeordnet. Da aber bei dieser Technik natürliche Artgrenzen überwunden werden, hält sie das internationale Organ der Bio-Bewegungen (International Federation of Organic Agriculture Movements, IFOAM)  nicht für vereinbar mit den Prinzipien des biologischen Landbaus.

Sicher ist, dass F1-Hybridsorten nicht nachbaufähig sind. Im Gegensatz zu samenfesten Sorten ähneln ihre Nachkommen nicht den Elternpflanzen. Wer also selbst Saatgut für den Einsatz im eigenen Gemüsegarten erzeugen möchte, muss von F1-Hybrid-Sorten absehen. Da der Hausgarten auch keine standardisierten Produkte oder Höchsterträge erfordert, können HobbygärtnerInnen unbeschwert samenfeste Sorten wählen, die Jahr für Jahr nachgebaut und ausgelesen werden und so auch eine Anpassung der Gemüsepflanzen an den eigenen Standort erlauben.  

 

Stephanie Klaedtke



Abbildung: Der Großteil der Maissorten, die in Luxemburg angebaut werden, sind F1-Hybriden. ´Sponsio‘ ist eine traditionelle Maissorte, die in Südwest-Frankreich von Landwirten erhalten wird.

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