… oder wie ein Vortrag zu einem Spaziergang anregen kann.

Eine Einladung hat mich dazu veranlasst, zurück zur Uni zu kehren und seit langem wieder einen Tag im Hörsaal zu verbringen um interessante Vorträge zur Gestaltung mit Pflanzen zu hören. Das Thema lautete „Zwischen Garten und Landschaft“.

Gemeint ist damit nicht der Gartenzaun der schutzend zwischen dem Garten und dem Wilden, Unbekannten der Landschaft steht, sondern viel mehr der Austausch zwischen der Natur au.erhalb des Gartens und des Gartens selbst.

Besonders hervorgehoben hat sich der Vortrag von Rick Darke, der sich mit dem Thema „The New Wild Garden“ beschaftigt. Wie sich schon erahnen lasst, ist das Thema der wilden Garten nicht ganz neu und entstand im Grunde schon im 18. Jhdt. mit den englischen Landschaftsgarten. Obwohl diese Gartenanlagen sehr naturlich anmuten, sind sie akkurat und bis ins kleinste Detail geplant. Sichtachsen zu Kirchturmen, Grotten oder Brucken sind nicht durch Zufall entstanden, sondern bewusst angelegt worden. Sodass nicht alles, was naturlich aussieht auch naturlich entstanden ist.

Eine etwas andere Richtung hat William Robinson (1838 - 1935) eingeschlagen, dessen Idee mit dem „Wild Garden“ hohe Wellen schlug. Auch wenn viele Gartner noch nie von ihm gehort haben, ist seine Idee, Blumenwiesen entstehen zu lassen bzw. Narzissen in Parkwiesen oder Garten zu verwildern, allseits bekannt und hat bis heute Fortbestand.

Diese Kontinuitat haben auch jene „Pflanzenverwender“ eingeschlagen, die gro.flachige Staudenbeete mit vielen Grasern und Blutenpflanzen anlegen, denn solche Bepflanzungen verandern sich mit den Jahreszeiten und die Beete werden nicht je nach Zeitpunkt im Jahr vollstandig leergeraumt und neu bepflanzt. Die Pflanzen konnen uber ein Jahr hinweg beobachtet werden, wie sie wachsen, bluhen, Samen bilden und sich im Winter zuruckziehen um die kalte Jahreszeit zu uberdauern.

Der Ansatz des Beobachtens, sich an der Natur zu orientieren oder sich diese als Vorbild zu nehmen wurde im Vortrag erlautert. Man findet unendlich viele Beispiele, Inspiration und Anregungen im gro.ten Garten der Welt, drau.en hinter dem Gartenzaun.

Wir mussen nur lernen mit offenen Augen durch die Landschaft zu marschieren, denn zu jeder Jahreszeit liefert die Natur uns gratis neue Ideen. Es kann auch erkenntnisbringend sein zu sehen welche Farne sich beispielsweise auf alten Mauern ansiedeln lassen oder welche Graser Trockenheit gut vertragen. Das Beobachten liegt im Trend, Stars unter den Landschaftsarchitekten machen es so und auch die Pflanzenzuchter ziehen hinaus um „neue“ Pflanzen fur die Garten zu entdecken.

Vielleicht ist dies ein Ansporn auch wahrend der kalten Jahreszeit wieder mal einen Spaziergang zu machen, denn es lasst sich so manches entdecken, was eventuell auch im Garten umgesetzt werden kann.

Ich fur meinen Teil habe die Idee des „New Wild Garden“ schon diesen Sommer umgesetzt. Denn wahrend die Nachbarn jedes Wochenende ihren Rasenmaher ausgefuhrt haben, habe ich geschaut welche Blumen sich bereits auf meiner Wiese angesiedelt haben.

Nadine Weirich

Dipl. Ing. der Landschaftsarchitektur

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