Vor mehr als 100 Jahren war die innerstädtische Nutztierhaltung normal. Da es unmöglich war, Milch über weite Wege zu transportieren, wurden z. B. Kühe auch in der Stadt gehalten. Heute beschränkt sich die Tierhaltung in der Stadt meist auf Haustiere.

Die Honigbiene ist unser kleinstes, gleichzeitig aber drittwichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein, und sie ist dabei sich den Weg in die Urbanisation zuruck zu erobern. Die unscheinbare Stadtbiene hat doppelten Nutzen. Einerseits produziert sie leckeren Honig und andererseits garantiert sie eine gute Bestaubung von rund 80% der heimischen Nutz- und Wildpflanzen.

Dieser Wandel hat verschiedene Ursachen. Auf der einen Seite finden Veranderungen in der Imkerei statt. Seit einigen Jahren ist Imkern in Mode, viele junge Menschen beginnen mit der Imkerei und der altersdurchschnitt der Imker sinkt. Auch die ‚Stadtimkerei‘ erfahrt immer gro.ere Beliebtheit.

Auf der anderen Seite setzen vielerorts Krankheiten, Parasiten, Monoklturen, Insektizide und Pestizide den Bienen stark zu. In landlichen Gebieten verschwindet Biodiversitat immer weiter. Nach der Rapsblute versinkt die Landschaft in vielen Regionen in ein uniformes grun und bluhende Akkerrandstreifen sind leider immer noch die Ausnahme. Die Bienen haben es oft schwer, in der Zeit zwischen Juli und Oktober genugend Nektar und Pollen zu finden. In der Stadt bieten Parks, Hausgarten, Alleen, verwilderte Grundstucke, sogar Verkehrsinseln und Balkonpflanzen den Bienen von Krokus im Marz bis Goldrute im Oktober einen reich gedeckten Tisch.

Im Ausland gibt es bereits seit langerem Initiativen welche die Stadtimkerei fordern. Auch in Luxemburg Stadt, seit einigen Jahren Mitglied im Verband ‚Communes sans pesticides‘, gibt es bereits mehrere Bienenstande und weitere sind in Planung.

Jeder der nicht gleich eigene Bienen halten will kann trotzdem etwas fur die eifrigen Insekten tun. Nutzen Sie keine Pestizide und bauen Sie bienenfreundliche Pflanzen an! Anstatt Geranien oder Petunien auf der Fensterbank oder auf dem Balkon sind Lippenblutler wie Salbei, Oregano und Thymian fur Bienen viel interessanter. Auch Klee, Glockenblumen, Lavendel, Fetthenne und Schnittlauch finden bei Bienen reges Interesse.

Joe Molitor

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