Bemerkenswerte Pflanzen in der Ackerbauschule (60)

Wer möchte gerne einen echten „Rothschild“ haben? Damit ist in diesem Fall allerdings kein Bordeaux für den Weinkeller gemeint, sondern ein recht ungewöhnliches und auffälliges Gehölz.

Die Zwergmispeln, manchem besser bekannt unter dem botanischen Namen Cotoneaster, werden vor allem als Bodendecker verwendet. Neben den niedrig wachsenden Zwergmispeln, deren deutscher Name hier gut passt, gibt es aber auch viele strauchartig wachsende Cotoneaster. Häufig sieht man bei uns die bis 4 m hoch werdenden immergrünen Weidenblättrigen Zwergmispeln, Cotoneaster salicifolius, die in manchen Jahren im Herbst und Winter vor der Last der roten Früchte fast hängende Triebe zeigen – vor der Post in Ettelbruck beispielsweise sind eine ganze Reihe dieser Pflanzen zu sehen.

Aus dieser Gruppe von Zwergmispeln hat Baron Lionel Nathan de Rothschild auf seinem Anwesen „Exbury Gardens“ in England um 1930 einige Sämlinge selektiert, die eine abweichende Fruchtfarbe zeigten. Ein besonders schönfruchtender Sämling, dessen ungewöhnlich dichthängende, leuchtendgelbe Früchte weithin sichtbar sind, wurde dann später ihm zu Ehren 'Rothschildianus' genannt. Diese Sorte weist überhängende Triebe auf und kann sich zu einer stattlichen Pflanze von 4 x 4 m entwickeln – man sollte also ein wenig Platz für sie im Garten haben. Der Standort sollte nicht zu trocken sein und ein wenig geschützt, etwa im Halbschatten großer Bäume. Ein sehr eindrucksvolles Exemplar davon wächst im Jardin des plantes in Paris. Von dieser Pflanze stammen auch unsere Exemplare ab.

In Großbritannien wurde Cotoneaster salicifolius 'Rothschildianus' 1984 von der Königlich Britischen Gartenbaugesellschaft (RHS) in der höchsten Kategorie mit einem „Award of Merit“ ausgezeichnet.

Lionel de Rothschild und sein Sohn Edmund, der die Arbeit des Vaters und auch das geliebte Exbury-Anwesen ebenso professionell weiterführte, waren zwar „Banker“ von Beruf, aber ihre Liebe galt den Pflanzen, und sie steckten Unsummen von Geld, aber auch viel Zeit in ihre Gärten und Parks (in England sagt man, sie waren “bankers by hobby, and gardeners by profession”). Sie wurden übrigens von derselben Königlichen Gartenbaugesellschaft mit der höchsten Ehrung, die diese zu vergeben hat, ausgezeichnet: mit der RHS Victoria Medal of Honour. Somit kann man mit Recht von einer „ehrenvollen“ Pflanze sprechen, wenn die Rede von Rothschilds Zwergmispel ist. Und was spricht dagegen, einen „Rothschild“ nicht nur im Keller, sondern auch im Garten zu haben?

Eike Jablonski (LTA)

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