Heute wollen wir uns mit einem Thema für fortgeschrittene Gärtner beschäftigen - der Veredelung von Obstbäumen. Viele denken immer, dass wir „Eist Uebst“-Gärtner ausschließlich fertige Obstbäume aus der Baumschule zur Pflanzung kaufen. Für die Testung neuer Apfelsorten oder bei Jungbäumen, deren Geschmack wir „umveredeln“ wollen, greifen wir aber auch in unseren Plantagen zu dem Trick der Umveredelung. Sollten Sie in Ihrem Garten eine Sorte haben, die Sie geschmacklich nicht überzeugt, oder Sie wünschen mehre Sorten auf einem Baum, ist das Veredeln eine gute Alternative zum Neuanpflanzen.

Beim Veredeln setzt man einen Pflanzenteil auf eine andere Pflanze auf. Dazu benötigt man grundsätzlichen einen sogenanntes „Edelreis“ – das ist ein Trieb der Pflanze, die man neu wachsen lassen möchte – und eine „Unterlage“ – das ist der Pflanzenstock, der mit seinen Wurzeln im Boden wächst und auf den der Edelreis aufgesetzt wird. Normalerweise werden gleiche Pflanzenarten zum veredeln verwendet. Je verwandter diese sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Veredelung zum Erfolg führt. Einen Apfeltrieb setzten Sie demnach auf einen Apfelbaum.

Auf das Edelreis kommt es an

Oft werden wir von Privat-Gärtnern angesprochen, ob wir deren alten Sorten aus dem Hausgarten nicht retten könnten. Möglich ist dies, doch sollten Sie sich an Ihre Baumschule wenden und diese wird Sie nach einem entsprechendem „Edelreis“ fragen. Als Edelreis verwenden Sie am allerbesten einen ca. 15 cm langen einjährigen Trieb des gewünschten Baumes. Er sollte einige Knospen tragen. In der Dicke sollten Edelreis und Unterlage ungefähr gleich sein. Suchen Sie sich einen entsprechenden Ast an der Unterlage, der auch einige Knospen trägt und schneiden Sie ihn schräg auf ca. 5-10 cm Länge ein. Hierbei den Schnitt vom Körper weg tätigen, da sie so sauberer Arbeiten können und die Faserstruktur der Triebe weniger zerstört wird. Denselben Schnitt müssen Sie dann am Edelreis durchführen (Wuchsrichtung der Knospen beachten!). Beide Hälften sollten nun gut aufeinander passen.

Knospen in Schnittnähe

In dem Bereich in dem Unterlage und Edelreis übereinander liegen, muss sich eine Knospe am Edelreis befinden. Seien Sie etwas vorsichtig und versuchen Sie, die aufgeschnittene Seite nicht mit den Fingern zu berühren. Sie müssen sauber bleiben. Umwickeln Sie den neuen Ast mit Bast und bestreichen Sie ihn mit Baumwachs. Er ist später der Stamm des neuen Kronenteil Ihres Baumes.

Edelreis im März verarbeiten

Der optimale Zeitpunkt einen Edelreis zu schneiden, ist in der Winterruhe des Baumes. Er darf jedoch nicht bei Frost geschnitten werden! Bis zur Veredelung wartet man jedoch am besten bis in den März. Eine gute Lagermöglichkeit für das Edelreis ist in feuchtem Sand. Dort sollte er bedeckt und gekühlt – jedoch frostfrei – untergebracht sein. Die „Eist Uebst-Us Uebscht“ –Gärtner wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg mit der Herausforderung der Baumveredelung!

Andreas Löbke

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