Wer will schon Moos in seinem Garten haben? Im Rasen, auf Grabsteinen, Plastersteinen oder Hofeinfahrten beispielsweise ist der grüne Teppich äußerst unbeliebt. Neben der mechanischen Moosbekämpfung für den englischen Rasen gibt es aber auch zahlreiche Gifte und Mittelchen welche zwar das Gras am Leben lassen, dafür aber möglicherweise den Boden und das Grundwasser stärker belasten als der grünen Gärtnerseele lieb ist.

Allerdings gibt es auch Gartenräume oder Situationen wo man allzu gerne auf Moos zurückgreift. Moose haben so ihren Charme, sie zeugen von Alter und lockern starre Bauwerke auf. Kurz, Moose verleihen dem Garten eine ganz bestimmte Patina.

Durch Bewegungen wie „urban gardening“ (Gärtnern in der Stadt) oder „Guerilla gardening“ (Begrünen ungenutzter Stadtbereiche) aber auch dem zunehmenden Trend der Fassadenbegrünung sind Moosgraffitis entwickelt worden und haben sich binnen kürzester Zeit zu Kunstobjekten durchgemausert.

Wie entsteht aber jetzt ein solches Moosgraffiti?

Im Internet findet man diverse Anleitungen wie beispielsweise Buttermilch, Moos, Zucker und Wasser mixen, dann mit einem Pinsel auf die schattige, feuchte Wand auftragen und täglich mit Wasser besprühen. Andere Künstler nehmen anstatt des Wassers Bier und wieder andere fügen noch ein Ei hinzu.

Wichtig ist zudem Moos aus der Umgebung zu verwenden und kein eingetrocknetes aus dem Bastelladen. Ob dieses Rezept tatsächlich funktioniert ist eher fraglich. Es bedarf wohl eines Tests um herauszufinden ob das Moos wächst. Aber bevor man sich an die Rezeptur wagt, sollte man sich vorher bewusst werden, welche Standorte Moose bevorzugen. Am geeignetsten sind schattige, eher feuchte Wände oder auch der Regenseite zugewandte Mauern.

Moose sind botanisch gesehen keine Pflanzen, da sie keine richtigen Wurzeln ausbilden, ihre Vermehrung über Sporen erfolgt und sie keine Samen ausbilden. Dies bedeutet demzufolge auch, dass man keine Angst zu haben braucht, dass die Wurzeln des Moses Fassaden oder Mauern aufsprengen oder sonstige Schäden an den Mauern entstehen.

Effektiver erscheint da die Methode der Londoner Künstlerin Anna Garforth. Sie zieht das Moos auf Matten vor und schneidet die Moosteppiche anschließend mit Hilfe von Schablonen zu. Die zurechtgeschnittenen Moosstücke werden anschließend direkt auf die ausgewählte Mauer geklebt und regelmäßig mit Wasser besprüht, damit das Moos auch grün bleibt.

Will man ein Moosgraffiti erstellen, so sollte man dies auf den eigenen Gartenwänden, Hausmauern oder Gartenschuppenwänden tun. Denn öffentliche oder fremde Wände darf man nicht ohne Genehmigung oder Anfrage verzieren. Hat man im eigenen Garten aber ein geeignetes Fleckchen Mauer zur Verfügung, so wäre es ja mal einen Versuch wert.

Dipl. Ing. der Landschaftsarchitektur Nadine Weirich

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