In den vergangenen Jahren ist das Imkern immer beliebter geworden. Vor allem in städtischen Raum ist das „Urban Beekeeping“ zu einem wahren Trend geworden. Was ist darunter zu verstehen und welche Bedingungen sind dabei zu erfüllen?

Um die Honigbiene ist es derzeit nicht sehr gut bestellt. Die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft führt dazu, dass durch Flurbereinigungen Hecken, Kleingehölze und Wiesen verlorengehen. Die großflächigen Rapsfelder und andere Monokulturen bieten immer weniger Pollen und Nektar für die Bienen. Zudem ist in den letzten Jahren die Varroa-Milbe zu einer wahren existenzbedrohenden Gefahr für die Bienen geworden. Diese Milben verbeißen sich im Pelz der Bienen und saugen ihr Blut. Viele Bienenvölker überstehen den Winter nicht. Albert Einstein sagte „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Unter diesem Aspekt ist es umso erfreulicher, dass sich immer mehr Menschen der Bienenzucht widmen.

Den Anfang dieses rasant wachsenden Interesses am Imkern hatten verschiedene Initiativen im städtischen Bereich. Wie zum Beispiel die Bienenstöcke auf dem Dach der Pariser Opéra Garnier, der Münchner Neue Pinakothek, oder auch hier in Luxemburg auf dem Dach des Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg. Die Bienenhaltung ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr abgekommen von einer Freizeitbeschäftigung für Leute im Ruhestand. Neue Medien und neue Vermarktungsmethoden haben einen wesentlichen Teil für die Popularisierung der Bienenhaltung beigetragen. So kann man anhand von Webcams den Bienen bei der Arbeit zuschauen, der Verkauf wird über Internet oder auf lokalen Märkten abgewickelt.

Für den Fall, dass kein zugängliches Dach, oder ein Garten zur Verfügung steht, muss nicht auf die Bienenhaltung verzichtet werden. Seit kurzem gibt es eine Lösung damit Balkonbesitzer Hobby-Imker werden können. Eine Berliner Initiative hat über ein Crowd-Funding Kampagne im Internet das nötige Startkapital gesammelt, um das Projekt „Stadtbienen“ zu gründen ( www.stadtbienen.org ). Der Verein „Stadtbienen“ vertreibt eine „Bienenbox“, welche als Bausatz einfach zusammenzubauen ist und an das Balkongeländer befestigt werden kann. Die Vertreiber gehen von einem Honigertrag von ca. 30Kilo pro Jahr aus. Die Bienen werden leicht im städtischen Raum fündig. In Parks, Kleingärten, Wiesen, Friedhöfen, angrenzenden Wäldern sind viele unterschiedliche Pollen zu finden.

Es handelt sich hier um eine einfache Art sich mit dem Thema der Bienenhaltung zu beschäftigen. Es müssen jedoch einige Sachen beachtet werden. Als zukünftiger Imker oder Imkerin kommt man nicht drum rum sich mit den theoretischen und praktischen Aspekten des Imkerns zu beschäftigen. Der „Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht“ bietet regelmäßige Kurse an. Im luxemburgischen Bürgerlichen Gesetzbuch (Code Civil) wird darauf hingewiesen, dass bei jedem Vorhaben, welches die Nachbarschaft betrifft, den Kontakt mit diesen aufnehmen muss. Hier verhält es sich ähnlich wie bei der Hühnerhaltung: Haben die Nachbarn Bedenken, sollte man es sich nochmal gut überlegen, bevor es zu Gerichtsverhandlungen kommt. Vielleicht hilft ja die Aussicht, dass der Nachbar einen Teil der jährlichen Honigernte bekommt, wenn er oder sie die Bienenhaltung tolerieren.

Zum Seitenanfang