Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, wo das Saatgut herkommt, aus dem ihre Nahrungspflanzen erwachsen.

Saatgutqualität und Sortenkategorien

Die Frage nach der Saatgutqualität ist eng verbunden mit dem Sortenaspekt. Die zur Zeit auf dem Markt erhältlichen Gemüsesorten können je nach Blickwinkel in die verschiedensten Kategorien eingeteilt werden.

So gibt es alte und neue, traditionelle und moderne, regionale und universelle, samenfeste und aufspaltende, Populations-, Linienund Hybridsorten, Land- und Zuchtsorten, Sorten für Hobby-Gärtner und professionelle Gemüsebauern, sowie Liebhaber- und Hochleistungssorten. Der Einfachheit halber soll sich hier nur auf zwei tendenziell gegensätzliche Hauptkategorien konzentriert werden.

Traditionelle, samenfeste Populationssorten

Traditionelle Sorten sind durch natürliche, handwerkliche Züchtungsmethoden im Laufe der Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende entstanden, überliefert und weiterentwickelt worden. Oft haben solche Sorten einen regionalen Bezug; das heißt, sie sind für ganz spezifische Klimabedingungen oder Bodenarten geeignet und würden somit nicht überall auf der Welt gleich gedeihen.

Von ihrer äußeren Qualität her weisen solche Sorten oft eine gewisse Heterogenität auf. Das heißt, dass sich die einzelnen Pflanzen einer Sorte nicht bis ins Detail gleichen, sondern gewisse individuelle Unterschiede aufweisen können. Solche leicht heterogenen Sorten nennt man Populationssorten.

Wenn man von Populationssorten dann wiederum Saatgut zieht, geben sie ihre genetischen Informationen sortentreu weiter. Die Kinder ähneln also den Eltern auf wieder erkennbare Weise; man nennt diese Sorten daher „samenfest“.

Moderne, aufspaltende Hybridsorten

Auch wenn es F1-Hybridsorten nun schon seit bald hundert Jahren gibt, kann man sie im Verhältnis zur mindestens 10.000 Jahre alten Landwirtschaft getrost noch als „modern“ bezeichnen.

Indem zwei durch Inzucht reinerbige Sorten miteinander gekreuzt werden, kommt es zum so genannten Heterosis-Effekt, durch den die Pflanzen der Folgegeneration (erste Filialgeneration oder kurz F1) untereinander eine erstaunliche Homogenität aufweisen.

Erntet man dann aber von F1-Hybriden wiederum Samen, so spalten die genetischen Informationen derart auf, dass die Pflanzen der nächsten Generation (F2) so unterschiedlich ausfallen, dass man nicht mehr von einer Sorte sprechen kann. Ein Nachbau von F1-Hybriden über Samen ist zwar möglich aber wegen der genetischen Aufspaltung nicht interessant.

Jede Anbauform hat ihre spezifischen Sorten

Der großflächige, stark mechanisierte Gemüsebau, sei er nun „konventionell“ oder „biologisch“, vermarktet seine Produkte oft auf dem Wege des nationalen oder internationalen Großhandels. Es besteht daher ein großes Interesse an gleichförmigen Produkten, die sich gut in Standardverpackungen der Nahrungsindustrie vermarkten lassen.

eine Kiste Blumenkohl vom Erzeuger über Groß- und Einzelhandel bis zum Endverbraucher zu bekommen, wenn diese lückenlos mit 6 gleichgroßen Köpfen gefüllt ist, als wenn jeder Blumenkohl seine individuelle Form und Größe hätte. Für solche Marktansprüche eignen sich nun mal die F1-Hybriden recht gut, da sie zeitgleich sehr homogene Produkte liefern.

In einem Haus- oder Familiengarten wird man aber vielleicht weniger Wert darauf legen, dass die Gemüse eines Satzes alle gleich groß sind und zum selben Zeitpunkt geerntet werden müssen. Traditionelle Sorten, die Gemüse mit einer gestaffelten Erntezeit und verschiedenen Einzelgrößen liefern, kann man immer frisch und nach Bedarf ernten und muss so nicht gleich ein ganzes Beet mit einem Mal räumen, um dann die Tiefkühltruhe mit dem Erntegut zu füllen.

Ein weiterer Aspekt der Sortenwahl liegt in der Frage, wie viel „Input“ an von außen zugeführten Betriebsmitteln man aufwenden will oder kann.

Während im industriellen Anbau synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie eine weitgehend automatisierte zusätzliche Bewässerung den so genannten Hochleistungssorten zu guten Ernteergebnissen verhelfen, sind im extensiven naturnahen Anbau eher Sorten gefragt, die dank eines guten Wurzelsystems mit wenig Dünger und Wasser auskommen und dank einer allgemeinen guten Vitalkraft auch ohne Pflanzenschutzmittel gesund bleiben können.

Frank Adams, SEED asbl

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