Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, wo das Saatgut herkommt, aus dem ihre Nahrungspflanzen erwachsen.

Sie stehen dabei mittlerweile nicht mehr nur den genetisch manipulierte Pflanzen (GMP) kritisch gegenuber, sondern auch den modernen Zuchtungstechniken der industriellen Hybridsorten. Somit ist die Frage nach der Saatgutqualitat gestellt.

Was ist Saatgutqualität?

Eine gute Saatgutqualitat kann nach verschiedenen Gesichtspunkten beurteilt werden:
− Physiologische Eigenschaften (hohe Keimrate, gute Keimkraft, keine Krankheitskeime)
− Reinheit (keine Sortenverkreuzungen, keine Vermischungen mit anderem Saatgut)
− Technische Eigenschaften (Saatgutaufbereitung: z. B. Kalibrierung, Pillierung, Beizung)
− Spezifische Sorteneigenschaften (Ertrag, Vitalitat, spezifische Eignung fur Anbaumethoden, Weiterverarbeitung und Verwendung usw.)
− Qualitat als Nahrungsmittel (hoher Gehalt an gesundheitsfordernden Inhaltsstoffen)
− Zuchterischer Wert (z. B: Nachbaufahigkeit und Grundlage fur Neuzuchtungen)

Auch wenn hier nicht im Detail auf diese Kriterien eingegangen werden soll, kann man sich anhand der Liste leicht vorstellen, dass Saatgut von schlechter Qualitat sehr schnell vom Markt verschwindet (oder eben gar nicht erst zugelassen wird).

Allerdings gibt es heutzutage durchaus verschiedene Vorstellungen, wo die Akzente zu setzen sind, was eine gute Saatgutqualitat angeht.

Naturlich muss Saatgut nicht nur gut keimen, sondern sollte auch sortenrein und frei von Krankheitskeimen sein. Dazu sollte es in der Kultur noch gewissen Anforderungen an Ertrag und Vitalkraft der Pflanzen entsprechen. Aus diesen grundlegenden Qualitatskriterien haben sich seinerzeit sowohl der Beruf des professionellen Samenbauers als auch die ersten gesetzlichen Regelungen zum Saatgut entwickelt.

Im Zuge von immer weiter uber Stadtund Landesgrenzen hinaus gehenden Wirtschaftsbeziehungen brauchte es genormte Qualitatskriterien, nach denen die Ware Saatgut gehandelt werden konnte.

Aber genau diese leicht nachvollziehbaren, den Marktgesetzen entsprechenden Qualitatskriterien haben im Laufe der Zeit zu einer zunehmenden Professionalisierung und Industrialisierung des Saatgutsektors als eigener Wirtschaftszweig gefuhrt, wodurch es dann auch zu den heute mit Sorge und Kritik bedachten Umstanden gekommen ist: kunstliche genetische Manipulierungen und Patentierungen von Saatgut auf der einen Seite und Verlust an Nutzpflanzenvielfalt durch Verschwinden von naturlichen traditionellen Sorten auf der anderen Seite.

Was die Frage nach der Saatgutqualitat angeht, konnen nun aber gerade die traditionellen, oftmals regional spezifischen Sorten gro.e Vorteile gegenuber den industriellen Standardsorten aufweisen.

Hierbei stehen von den oben genannten Qualitatskriterien bestimmte Sorteneigenschaften, die Qualitat als Nahrungsmittel und der zuchterische Wert im Vordergrund. Welche Bedeutung diese Punkte im Einzelnen haben, soll in den folgenden Artikeln der Reihe erklart werden.

Dabei soll es keineswegs um eine blo.e Kritik der modernen industriellen Saatgutproduktion gehen, sondern vielmehr um die Vorstellung von Argumenten fur eine aktive Fortsetzung und Forderung der naturlichen und handwerklichen Zuchtungsmethoden gema. der Vorstellung, dass es zur Erhaltung der traditionellen Nutzpflanzensorten nicht reicht ihr Saatgut in den Kuhlschranken der Samenbanken zu lagern.

Gründungsmitglied von SEED asbl

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