Um den ressourcenschonenden Freilandanbau wohlschmeckender Tomaten wieder zu ermöglichen, werden seit 2003 an der Universität Göttingen im Rahmen des Freiland-Tomatenprojekts unter biologischen Anbaubedingungen robuste Tomatensorten selektiert und gezüchtet. Hierbei wird großer Wert auf samenfeste Sorten gelegt.


Diese erlauben es GärtnerInnen, selbst Saatgut für das kommende Jahr zu ernten, die Sorten untereinander zu tauschen und sie weiterzuentwickeln. Im Gegensatz dazu müssen die heute im Handel üblichen F1-Hybid-Sorten jedes Jahr aufs Neue eingekauft werden. Dies macht einerseits vom Saatguteinkauf abhängig und andererseits eine Anpassung der Sorte an die eigenen Anbaubedingungen unmöglich.


Ob die Göttinger Sorten auch unter luxemburgischen Bedingungen den Freilandanbau von Tomaten ermöglichen, prüfte 2012 erstmals das Institut fir biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur (IBLA) in Zusammenarbeit mit dem Lycée technique agricole und Forum pour l'Emploi a.s.b.l., Projekt "am gaertchen" in Ettelbrück und Junglinster.
















Erste Ergebnisse sind im folgenden dargestellt. Vorsicht ist allerdings geboten: Für zuverlässige Ergebnisse müssen wir die Mittelwerte aus weiteren Versuchsjahren abwarten! Die Resistenz gegen Kraut- und Braunfäule, die den Freilandanbau der Tomate in unseren Gefilden erschwert, hängt mit der Fruchtgröße zusammen. Allgemein gilt: Es ist schwerer, unter großfrüchtigen Sorten Feldresistenz zu finden, als unter Kleinfrüchtigen. Ziel ist es deshalb, resistente, großfrüchtige Tomaten zu züchten. Um ähnliches mit ähnlichem vergleichen zu können, sind die Sorten in den Graphen der Fruchtgröße nach geordnet. Die F1-Hybrid-Sorte ‘Philovita F1‘ (Cherrytomate; Fruchtgröße: 18 g) und die Romatomate ‘Quadro‘ (70 g) wird hier als resistente Vergleichssorte genutzt. Die frühreife Salattomate ‘Matina‘ (60 g) gilt als anfällige Vergleichssorte. Folgende Sorten und Zuchtlinien aus dem Freiland-Tomatenprojekt wurden getestet. (c. f. Tabelle 1)


Ergebnisse und Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass es auch bei einem Testsortiment von Sorten, die auf Robustheit und Geschmack vorausgewählt wurden, markante Unterschiede in puncto Anfälligkeit und Ertrag gibt. Einige der Sorten zeigten trotz größerer Früchte eine Krautfäule-Resistenz, die mit der kleinfrüchtigen ‘Philovita F1‘ vergleichbar ist, insbesondere die Cocktailtomaten ‘Resi‘, ‘Primabella‘, ‘Dorada‘ und ‘R214-5-4-R8‘. Insgesamt war der Befallsdruck am Versuchsstandort in Ettelbrück höher als am stark windigen Standort Junglinster. Die meisten Sorten hatten im Mittel über beide Standorte vergleichbare Erträge. Ausnahmen bilden ‘Philovita F1‘,‘Clou‘ und ‘Matina‘, die in Ettelbrück stärkeren Fruchtbehang zeigten, sowie ‘Resi‘´, die an beiden Standorten wenig Früchte bildete. Insgesamt lässt dies schließen, dass auch Cocktailtomaten im Hausgarten ihre Erträge sehen lassen können.










Abbildung 1: Pilzbefall. Im Juli (Ettelbrück) und August (Junglinster) wurde der Befall von Stängeln, Blättern und Früchten durch die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) und die Krautfäule (Phytophthora infestans) anhand von Noten von 1 bis 9 geschätzt; mit dem Schüssel 1 = keinerlei Befall, 9 = völligen Verlust der Pflanze. Es sind für jeden Standort die Mittelwerte über die Schätzungen und mehrere beobachtete Pflanzen gezeigt. Der Pilzbefall von ‘Rote Murmel‘, ‘Golden Currant‘ und ‘Quadro‘ wurde nur in Ettebrück erfasst.

Abbildung 2: Ertrag. Im Juli (Ettelbrück) und August (Junglinster) wurde der Fruchtbehang anhand von Noten von 1 bis 9 geschätzt; mit dem Schüssel 1 = kein Behang, 9 = sehr starker Behang. Es sind für jeden Standort die Mittelwerte über die Schätzungen und mehrere beobachtete Pflanzen gezeigt. ‘Rote Murmel‘ und ‘Quadro‘ wurden nur in Ettelbrück angebaut.

Das Fazit aus dem ersten Versuchsjahr lautet, dass die getesteten samenfesten Sorten für den Freilandanbau im Luxemburger Hausgarten auch über ihre Robustheit hinaus von Interesse sind. Obwohl die meisten der Freilandsorten Cocktailtomaten sind, ist von der mild-säuerlichen, knackigen ‘Clou‘ bis zur süß-saftigen ‘Primavera‘ für diverse Geschmäcker etwas dabei. Zusätzlich können die wüchsigen Wildtomaten (Lycopersicon pimpinellifolium) an Zäunen und Mauern im Garten interessante Hingucker darstellen. Besonders gespannt können wir auf den Werdegang der getesteten Zuchtlinien sein. Die Neuzüchtung ´Primabella ´ wurde im Januar zugelassen und ist als Saatgut verfügbar. 

Stephanie Klaedtke, IBL

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