Bemerkenswerte Pflanzen in der Ackerbauschule (44)
Die weiße Kuhschelle – Pulsatilla vulgaris ‘Alba‘

Die Kuhschelle, Pulsatilla vulgaris, steht seit langer Zeit in vielen luxemburgischen Gärten. Die ausdauernde Staude ist ein seltener und streng geschützter Schatz der kalkhaltigen Trockenrasen unserer Region, wächst in der Natur dort, wo auf Grund des mageren Bodens keine allzu große Konkurrenz gedeihen und die Kuhschelle verdrängen kann.





In der Moselgegend, auch knapp uber die Grenze nach Frankreich zu, und wieder in der sudlichen Eifel, in der Prumer Kalkmulde, sind noch grosere Bestande dieser geschutzten Planze vorhanden. Die im Garten gezogenen Planzen sind meist alte Selektionen, die grosere Bluten aufweisen. Der kraftigere Wuchs im Vergleich zum Naturstandort ist meist dem kraftigeren Gartenboden zuzusprechen. Uber die Kuhschelle wurde ubrigens an dieser Stelle bereits vor 25 Jahren, im Maiheft 1988 von Gaart & Heem, berichtet.

Eine besonders schone Sorte ist die weisbluhende Sorte ‘Alba‘. Diese reichblutige weise Kuhschelle wurde schon vor mehr als 200 Jahren in Klostergarten kultiviert, dort neben der normalen, violett bluhenden Form vor allem als Medizinalplanze. Sie wurde u. a. gegen Nierenleiden eingesetzt.

Die normale violette sowie die weise Form werden im Garten an entsprechendem Platz recht alt ― es sind uber 40-jahrige Kuhschellenstocke bekannt. Wichtig ist neben einem eher kalkhaltigen und mageren Boden vor allem, dass keine starkwachsenden Stauden oder Geholze die Planze verdrangen oder ihnen Licht wegnehmen, denn Kuhschellen sind Sonnenkinder! Die Blute offnet sich meist schon im Marz, sie erhebt sich nur wenige Zentimeter uber die weisilzig behaarten, geschlitzten Blatter. „Ouschterblumm" bezeichnet den Blutezeitpunkt um Ostern herum. In diesem Jahr offnete sich die Blute allerdings gerade erst am 15. April!

Der luxemburgische Name „Daiwelsbaart" bezieht sich auf die fedrigen Samenstande, die noch bis in den Fruhsommer an dem Blutenstand haften und leicht und beschwingt wirken

Kombiniert mit feinen Grasern, etwa wie am mageren Naturstandort, kommen die Kuhschellen noch besser zur Wirkung. Im Herbst sollten einige kraftigere Astern in der Nahe die einziehenden Pulsatilla abdecken. Es versteht sich von selbst, dass man diese seltene Planze nicht in der Natur ausgrabt, sondern kraftige Planzen beim Gartner erwirbt. Nur dort erhalt man auch die wundervolle weise Kuhschelle, Pulsatilla vulgaris ‘Alba‘.


Eike Jablonski (LTA)

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