Alle Jahre wieder entdecke ich an schattigen Plätzen oder im Wald den auffälligen, roten Fruchtstand des Aronstabes. Mit seinen runden Kügelchen ist der Fruchtstand schon von weitem zu erkennen, aber vergeblich suche ich nach den Blättern dieser Pflanze.

Der Aronstab ist fast vergleichbar mit der Kaulquappe, wer glaubt schon, dass aus diesem quirligen Tierchen einmal ein Frosch wird?

Eine ähnliche Metamorphose macht der Aronstab im Laufe des Jahres durch. Im Herbst erscheinen die pfeilförmigen Blätter die fast einen exotischen Anblick bieten. Die Blätter bleiben bis zum Sommeranfang stehen, verschwinden dann jedoch, damit die Pflanze die sommerliche Trockenheit besser übersteht und weniger Wasser über die Blätter verliert.

Die grünlich-weiße Blüte erscheint April bis Mai und erinnert fast an die der Calla. Riechen sollte man allerdings nicht an der Blüte, denn sie verbreiten Aasgeruch.

Hiermit zieht der Aronstab Fliegen an, die in den Kelch der Blüte fallen, wo die Mücken umherwuseln um wieder zum Ausgang zu gelangen und gleichzeitig die Blüte bestäuben. Die Pflanze lässt die Fliegen allerdings erst frei, wenn diese ihre Arbeit getan haben und die Blüte bestäubt ist.

Die Fruchtanlagen der Blüte wandeln sich anschließend zum roten, kugeligen Fruchtstand des Aronstabes und nichts erinnert mehr an die vormalige Fliegenfalle.

Dieses fernsehreife Naturschauspiel kann man sich auch in den Garten holen. Der Aronstab bevorzugt halbschattige, frische Standorte, unter Bäumen beispielsweise. Trockenheit wird gut vertragen, weil die Blätter im Sommer einziehen und erst im Herbst wieder neu gebildet werden.

Vor allem eignet sich der italienische Aronstab (Arum italicum) oder der gefleckte Aronstab (Arum maculatum). Ebenfalls interessant sind verschiedene Züchtungen mit stärker marmorierten oder geäderten Blättern. Allerdings ist der Aronstab in allen Teilen giftig und sollte nicht verzehrt werden.

Wer die „Heckepëppchen“ nicht im eigenen Garten haben will, der kann sich auf die Suche begeben um diese aufregende Pflanze in natura zu entdecken. Hat man einmal einen Naturstandort gefunden, so sollte man öfters hier vorbei schauen, denn die Pflanze verändert sich im Laufe des Jahres sehr stark, so dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.

Im Grunde ist es doch eigenartig, im Fernsehen sieht man Reportagen über Blütenpflanzen exotischer Länder die nach Aas riechen oder eigenartige Bestäubungsmethoden besitzen. Aber dass es so spannende und interessante Pflanzen vor der eigenen Haustür zu entdecken gibt, wissen die wenigsten.

Nadine Weirich

Dipl. Ing. der Landschaftsarchitektur

Zum Seitenanfang