Bemerkenswerte Pflanzen in der Ackerbauschule (47)

Der Meerrettich, die alte, schon seit dem Mittelalter bekannte Heil- und Gewürzpflanze, wird bei uns nur in wenigen Gärten kultiviert. Pflanzen Sie ihn an! Da im Garten neben dem Nutzen auch die Schönheit eine Rolle spielen soll, sollte man bei einer Kultur auf die weißbunte Form ̔Variegata̛ zurückgreifen.

Leider ist der in England entstandene panaschierte Meerrettich bei uns kaum erhältlich. In der Ackerbauschule wird er zusammen mit weiteren alten Kraut- und Heilpflanzen, die Nutzen mit Gartenschönheit verbinden, kultiviert. Dazu zählen z. B. noch der Krause Rainfarn und die gefleckte Weinraute, die noch an dieser Stelle vorgestellt werden.

Der Meerrettich ist in Luxemburg nicht so verbreitet wie in Ost-Europa, in Süddeutschland oder Österreich.

Dort wird der Meerrettich „Kren“ genannt, ganz nach dem slawischen Wort für den Meerrettich, dessen Heimat der Osten ist.

Der zu den Brassicaceae (Kreuzblütern) zählende Meerrettich wird bei uns an zusagendem, lehmigen und nicht zu trocknenen Boden bis 70 cm hoch und ebenso breit. Im Austrieb ist er sehr filigran und von fast fedrigem Aussehen. Zu dieser Zeit ist die panaschierte Sorte wundervoll!

Kaum zu glauben, wie schnell der Meerrettich seine Zartheit vergisst und zu einem regelrechten Grobian heranwächst. Auch jetzt wirkt der weißbunte Meerrettich viel schöner als die etwas ruppige grüne Schwester, die mit den groben Blättern nur im Hintergrund des Bauerngartens wachsen darf. Aber wir wollen den Meerrettich ernten – die Wurzel hat es in sich, und schon so manchem zu Tränen in den Augen geführt, so scharf ist frisch geriebener Meerrettich. Doch dann ist er am besten, zusammen mit zerlassener Butter und frischen Kartoffeln zum Karpfen, wie in Osteuropa üblich.

Heilsam ist er auch noch, ihm werden geradezu magische Kräfte nachgesagt. Sicher ist allerdings seine antibakterielle Wirkung, sein hoher Gehalt an Vitamin C, B1, B2 und B6, sowie an Senfölen, Magnesium, Eisen und vielen weiteren Inhaltsstoffen.

Zur Ernte muss die Pflanze ausgegraben werden. Die anfallenden bleistiftstarken Wurzeln, die sogenannten Fechser, werden wieder in den Boden gepflanzt, der bessere und gerade Meerrettichwurzeln liefert, wenn er sandig ist.

Im Juni, um den Nationalfeiertag herum, wird dann die Pflanze angehoben und soweit freigelegt, dass Seitenwurzeln entfernt werden können – dann ergibt sich eine schöne dicke Hauptwurzel für die Ernte.

Im Hausgarten lässt man diese Kultur insgesamt zwei Jahre stehen, dann wird die Pflanze geerntet. Schwache Pflanzen bleiben am Platz, Seitenwurzeln werden wieder gesteckt. Aufpassen sollte man, dass man immer genug Vermehrungsmaterial hat – oder die weißbunte Form gleich ganz als Zierpflanze verwendet.

Der Ursprung des seltsamen Names Meerrettich ist nicht völlig geklärt: Hieß er früher Mährrettich (von Mähre, altes Pferd)? Im Englischen heißt er noch „horse radish“, im Französischen „radis de cheval“. Wild soll der Meerrettich an den Küsten der Ostsee wachsen, so wird der Name ebenfalls verständlich. Meerrettich kann aber auch von „mehr“ für größer stammen und einfach „ein größerer Rettich“ bedeuten. Doch dies soll uns nicht bekümmern, denn auch ohne die Herkunft seines Namens zu kennen, sollte er ein Bestandteil unseres Nutzgartens sein.

Eike Jablonski (LTA)

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